Regattaverein

23. April 2020

2500 Sportler aus rund 35 Ländern werden alleine zur „Euro Masters“-Regatta im Juli nach Schleißheim kommen. An drei Tagen finden rund 150 Rennen statt. Die Veranstaltung ist damit eine der größten Ruderregatten weltweit. Im Mai sind bei der Internationalen Junioren-Regatta des Deutschen Ruderverbands über 1000 Nachwuchsathleten aus 15 Nationen von vier Kontinenten zu Gast, die sportlich führende Regatta Europas im Nachwuchsbereich. Und organisiert und begleitet, von der Vorbereitung bis zur Teilnehmerbetreuung, vopatrickfrost 8152m Live-Stream bis zur Verpflegung, von der Zeitnahme bis zur Siegerehrung, werden alle diese Ereignisse von einem ehrenamtlichen Verein.

Seit Sommer 2019 etwa arbeitet der Regattaverband „Regatta München“ schon an der „Euro Masters“ in diesem Juli. Ein Grobkonzept muss zusammengestellt werden, Werbematerial erstellt, Hotelkapazitäten in Schleißheim, München und Umland gesichert. Im September waren fünf Vereinsmitglieder eine Woche bei der vom Weltruderverband FISA ausgerichteten „World Masters“-Regatta in Ungarn, einer Art weltweiter Messe des Rudersports, um ihre „Euro Masters“ 2020 zu bewerben.

30 Stunden Arbeit in etwa stecke er in intensiven Zeiten wöchentlich in die Regattenorganisation, schildert Oliver Bettzieche, der Vorsitzende des Regattavereins. Zehn Leute engagieren sich in ähnlicher Weise das Jahr über im Verein, beim unmittelbaren Aufbau einer Veranstaltung packen dann etwa 50 an, während der Regatta sind an die 180 Helfer im Einsatz. Der Jahresumsatz des ehrenamtlichen Vereins liegt in einem veranstaltungsintensiven Jahr bei annähernd einer dreiviertel Million Euro. „Das ist fast wie eine kleine Firma“, sagt Bettzieche.

Am Montag vor dem Regatta-Wochenende ist der Verein etwa bei der „Euro Masters“ an der Strecke zum Aufbau. Ab Donnerstag trudeln dann die Teilnehmer ein, Akkreditierung ist nötig, Verpflegung und die Organisitation der Anreise. „Ich beneide Regatten, die mitten in einer Stadt liegen“, seufzt Bettzieche. Zur Schleißheimer Strecke muss ein Shuttle-Service von U-Bahn-Stationen im Stadtgebiet und der S-Bahn-Haltestelle Oberschleißheim aufgebaut werden, einer der kostenintensivsten Punkte so einer Regatta.

Samstag Abend findet bei der „Euro Masters“ eine Party auf der Anlage statt, die auch vorbereitet werden muss. Zeitnahme, Start, Ergebnisdienst, Siegerehrung… Sonntag Abend beginnt sofort nach dem letzten Rennen dann bereits der Abbau, am Montag wird nochmal die besenreine Übergabe gecheckt – und dann beginnt die Vorbereitung der „Euro Masters“ des nächsten Jahres.

Nach dem Ende der Olympischen Spiele hatte die Veranstaltungen auf der Anlage zunächst die Rudergesellschaft München 1972 organisiert. Für den Verein, der auch noch Sportbetrieb zu managen hatte, wurde das dann zu viel und andererseits die Aufgabe zu umfassend, so dass sich ein eigener Verein zur Organisation der Regatten gründete, der Olympia-Regattaverein München.

In diesem Verein war die Verzahnung zur Anlage umfassend, indem der damalige Verwaltungschef auf der Schleißheimer Strecke zugleich Vereinsvorsitzender war. Eine Nähe, die sich dann allerdings kontraproduktiv auswirkte; der Verein musste 2012 liquidiert werden. Als Nachfolgeorganisation wurde „Regatta München“ begründet, Bettzieche war schon Gründungsvorsitzender.

Der Verein bündelt nun die Kräfte einer ganzer Reihe von bayerischen Sportvereinen; Mitglieder sind der Donau-Ruder-Club Deggendorf, der Landshuter Ruderverein, der Münchener Ruder-Club, der Münchener Ruder- und Segelverein „Bayern“, der Passauer Ruderverein, der Regensburger Ruder-Klub, der Regensburger Ruderverein, die Rudergesellschaft München 1972 und der Ruderverein am Tegernsee.

Dazu gehört der Bayerische Ruderverband der „Regatta München“ an, die Olympiapark München GmbH als Verwalterin der Strecke, der Bootshandel–Sportservice Darscheid und auch der Deutsche Kanu-Verband und der Kanu-Regattaverein München. Ab 2020 wird „Regatta München“ nun auch Kanu-Veranstaltungen mit abdecken. Sportbetrieb findet in dem Verein nicht statt, er betätigt sich ausschließlich in der Organisation.

Die „Euro Masters“ ist dabei das Flaggschiff des Vereins und seine einzige ureigene Veranstaltung. Über die Startgebühren der Ruder-Enthusiasten trägt sich diese Regatta auch selbst und beschert dem Gastgeber sogar einen regelmäßigen finanziellen Überschuss, mit dem Jugendwettkämpfe im Leistungssportbereich und andere Events erst ermöglicht werden können. Hierfür gibt es auch Zuschüsse und Sponsoren sind immer gesucht.

Seit den 1980er Jahren gibt es diese populäre Breitensport-Veranstaltung, zunächst im Vierjahresturnus, seit 2014 dann alle zwei Jahre. Heuer wollte der Ausrichter nun auf jährlichen Rhythmus umsteigen, aber jetzt muss erst noch geklärt werden, wie das 2021 während der Sanierung der Anlage ablaufen könnte.

Nach den Bauarbeiten kommen dann wieder die sportlichen Hochkaräter nach München. 2022 stehen die European Championships in mehreren Sportarten an, darunter Rudern, 2024 wurde wieder ein Weltcup-Rennen nach Schleißheim vergeben. Die Ruderwelt ist maximal scharf darauf, dass die Olympia-Anlage in Münchens Norden wieder optimal nutzbar ist, genießt sie doch als Sportstätte einen exzellenten Ruf.

Die vergangenen Jahre des fortdauernden Verfalls haben die Regattaanlage nicht nur im Bewerberfeld der ganz großen Events in die zweite Reihe zurückgestuft, für „Regatta München“ war auch die jeweilige Ausrichtung mit „einigen Einschränkungen“ verbunden, wie es Bettzieche freundlich umschreibt.

Das fing damit an, dass für das nötige Live-Streaming der Rennen die Kabel auf voller Streckenlänge jedes Mal manuell verlegt werden mussten, und hörte noch nicht damit auf, dass in den 1972er Toiletten „ein gewisser Duft herrscht, den man Gästen nicht gerne zumutet“, so der Vorsitzende. Nach der Sanierung werde der Verein auf seinen Ausgabenlisten jedenfalls „ganz sicher weniger Klosteine“ haben.

Spätestens mit der Optimierung der Anlage werde es für den Verein unumgänglich, Teile der Arbeit zu professionalisieren, erwartet der Vorsitzende: „Mittlerweile ist der Aufwand schon brutal.“ Bettzieche ist im Organigramm des Vereins zuständig für Ausstellerbetreuung, Catering, Einkauf, IT, Marketing, Sponsoring und Ehrengäste sowie die Gesamtleitung der Veranstaltung. Die Stellvertretende Vorsitzende Jutta Deuschl kümmert sich um Presse, Social Media, Siegerehrung und Anlagensprecher, Finanzvorstand Jörg Reinhardt ist für die Kasse zuständig.

Weiterhin ist Philipp Dierken für das Personal bei den Regatten zuständig, Stefan Kapeller ist Sicherheitsbeauftragter, Elias Kraus betreut Information und Logistik, Vincent Reß die Technologie und Philip Schmolling verantwortet die unmittelbaren Wettkämpfe. Dazu gibt es bei den Veranstaltungen ein über hundertköpfiges Volunteer-Team für die Bereiche Bootsfahrer, Fotoservice, Information, Infrastruktur, Medientechnik, Regattabetrieb, Sicherheit, Siegerehrung, Start, Transport, Volunteer-Koordination und Zeitnahme. Rekrutiert werden diese freiwilligen Helfer zunächst aus den angeschlossenen Rudervereinen, dazu kann jeder mitmachen, auch wenn er kein Ruderer ist (Infos unter www.regatta.bayern).

Auch der Vorsitzende startete einst als Volunteer – beim Fußball. Oliver Bettzieche, Gründungsvorsitzender von „Regatta München“ und seither Organisationschef Dutzender hochkarätiger internationaler Ruderwettbewerbe, ist gar kein Ruderer. 2006 hat er sich als Volunteer am Austragsort München beim „Sommermärchen“ Fußball-WM engagiert. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er sich nach den nächsten sportlichen Großveranstaltungen umschaute – und so landete er an der Regattastrecke.

„Es ist eine tolle Ergänzung zum Berufsleben“, schwärmt er. Für ihn ganz besonders: Der 52jährige aus Krailing leitet ein Übersetzungsbüro für Software und technische Texte mit zehn Mitarbeitern in Planegg. Das führt dann zu dem kleinen Mehrwert, dass bei Regatten in Schleißheim die Gäste nicht wie sonst überall auf der Welt nur in Landessprache plus Englisch melden können und informiert werden, sondern perfekt in sieben Sprachen. „Das ist eine ganz andere Schiene, Internationalität umzusetzen“, sagt Bettzieche.

In dem 2013 neu vom Stapel gelassen Verein habe sich auch ein überproportional junges Team zusammengefunden, freut er sich: „Wir probieren viel aus.“ So soll es bei den Regatten heuer statt Verpflegungsbuden „einen Foodcourt mit Wohlfühlfaktor“ geben und der Schleißheimer Ausrichter ist erstmals in der Welt der Ruderwettkämpfe mit einem QR-Code am Start, der vom Parkticket bis zur Essensausgabe den Besuchern das Leben erleichtern soll.

„Meistens macht’s richtig Spaß“, schildert Bettzieche den Antrieb für „Regatta München“ trotz des immensen Aufwands, „und wenn man dann am Ende über die Anlage schaut und alles hat funktioniert, dann kommt ein kleines Lächeln ins Gesicht und man weiß, warum man sich die letzten sechs Monate so engagiert hat.“ Und das mit dem Rudern, das will er auch noch hinkriegen: „Das ist mein Ziel, bis ich 60 bin, dafür mal Zeit zu finden. Es ist ein großartiger Sport.

 

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