Fitness für Körper, Geist und Seele

27. Januar 2020

Im „medi fitness“ von Flo Wirth ist seit 20 Jahren Entschleunigung und ein ganzheitlicher Ansatz das Prinzip für Wohlbefinden statt Übungspflicht. medifitness

Das Ziel der sportlichen Übungseinheiten wird hier nicht in Kilojoule bemessen, in gelaufenen Kilometern oder gestemmten Kilos, nicht in Zahlen und nicht in Messwerten. Ein Besuch im „medi fitness“ war dann gelungen, findet Studioleiter Florian Wirth, „wenn man heimgeht mit dem Gefühl: Ach, war das schön heute!“

Trotz Laufbändern, Spinningrädern, Hanteln oder Trizepsmaschinen auf 750 Quadratmetern versteht sich das „medi fitness“ nicht wirklich als Fitnessstudio. „Studio für Sport und Gesundheit“ lautet der Untertitel und die Gesundheit darin wird hier ganzheitlich gesehen: Körper, Seele und Geist, „alle drei kann man hier benutzen“, sagt Wirth.

Der Parkettboden ist stellenweise mit wohnzimmergerechten Teppichen belegt, die Wand hinter den Laufbändern ist vollgestellt mit einem Bücherregal. Am Tresen vor der gemütlichen Sitzecke brüht „der Flo“ den Cappuccino nach dem Training in einer italienischen Kaffeemaschine aus den 1960er Jahren. Zwischen Berufsalltag und Haushalt soll ein Abstecher ins „medi fitness“, so der Chef, „das kleine Achtel Lorbeerblatt“ eines runden Tages sein. 

Seit exakt 20 Jahren führt Flo Wirth das Studio, Oberschleißheims erstes Fitnessangebot, nun als diese Oase. Er war nach Jahren im Extremsport als Kraftdreikämpfer gerade durch die exzessive Ausübung zum „Freund der homöopathischen Dosierung geworden“, wie er sagt. Zähne zusammenbeißen, um Übungen zu schaffen, um im Fitnessstudio Leistungsmarken zu erreichen? „Das hat man genug im Alltag“, findet Wirth.

Seine Überzeugung, die er seinen Kunden vermittelt und vorleben will: „Durch Disziplinieren schafft man es im Sport nicht zum Ziel. Das schaffen nur die, die den Weg zum Ziel machen.“ So ist er auch kein Trainer, der nur die Übungen vorgibt oder den Gebrauch eines Geräts erklärts; „ich will mein Wissen dazu weitergeben“, sagt er. In dieser Studioatmosphäre würden dann auch viele Teilnehmer „ihre Windrichtung anpassen“, schildert er, „die stellen fest, dass es so besser geht“.

Ein Werbetext zum Betriebsjubiläum war überschrieben mit der „Faust“-Zeile: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“ So ist die zentrale Vorgabe für das Trainingsprogramm ausschließlich die Tagesform. Wer mit Aggression aus der Arbeit kommt, soll sich an den Stahl- und Hightech-Geräten auspowern, rät der Trainer, wer vollkommen geschafft ist, soll den Sport nicht auch noch als verpflichtende Dienstausübung verstehen; ein Studiobesuch nur in der Sauna tut’s da dann auch mal. Man verstehe die Teilnehmer als „Menschen mit einem Namen, einem Gesicht und einer Seele“, heißt es auf der Webseite von „medi fitness“.

Florian Wirth, Sohn eines Oberschleißheimer Architekten, ist gelernter Bauzeichner. Über seine Leidenschaft für den Kraftsport hat er in den 1980ern mit Partner Georg Stanggassinger eine „Sport- und Gaststättenberatung“ gegründet und damit zum Beispiel den Sportpark Holzkirchen geführt. Im neu wachsenden Gewerberund am Oberschleißheimer Bruckmannring eröffnete Stanggassinger dann 1989 das „Institut für Sport und Rehabilitation“.

1999 übernahm Wirth im Untergeschoss das seither so benannte „medi fitness“, Stanggassinger machte im Erdgeschoss mit der Reha weiter. 2003 zog dort das Therapiezentrum Wildenauer ein, mit dem „medi fitness“ – „medi“ von „medizinisch“ - eng zusammenarbeitet. Das Studio bietet neben den Dutzenden klassischen Fitnessgeräten einen separaten Gymnastikraum, einen Spinningraum sowie einen Kursraum für das tägliche Angebot von Pilates über Zumba bis Aerobic und einen Nassbereich mit Saunen auf rund 150 Quadratmetern.

Neben Flo Wirth, unter anderem geprüfter IHK-Ausbilder für Sport und Fitness, machen seine Schwester Marion als kaufmännische Leiterin und Tochter Fabienne als Auszubildende zur Sport- und Fitnesskauffrau das „medi fitness“ zum Familienbetrieb. Rund zehn freie Mitarbeiter bilden das weitere Personal, seit über 15 Jahren schon dabei sind Philipp Lehnerer, Claudia Knoblach und Cordula Gruber. Der alleinerziehende Vater Wirth (55) lebt mit seinen beiden Kindern einen Morgenspaziergang vom Studio entfernt in Mittenheim.

Unkompliziert wie der Trainingsansatz ist auch der Einstieg. „medi fitness“ verlangt keine Aufnahmegebühr und verpflichtet nicht auf langwierige Verträge. Zur klassischen Studiomitgliedschaft, die monatlich kündbar ist, gibt es auch Zehnerkarten, eine ermäßigte „tag-aktive“ Mitgliedschaft für Vormittagssportler und sogar Kurse können einzeln besucht werden.

Rund 600 Mitgliedschaften hat das „medi fitness“, nicht wenige, die seit 20 Jahren dazugehören. Da müssen auch Veränderungen behutsam vorgenommen werden, schließlich ist das Studio für manche ein zweites Wohnzimmer. Vor ein paar Jahren wurde der Nassbereich erneuert, 2018 hat Flo Wirth neuen Boden legen lassen und dem Studio ein neues Design verpasst. Als nächste Neuerung ist nun geplant, für das gerade stark boomende „funktionale Training“, ein Training, das weniger auf Geräte setzt, sondern vielmehr aus Gelegenheiten, mit dem eigenen Körper zu arbeiten, eine Ecke einzurichten.

Nicht gerüttelt wird aber auch nach 20 Jahren an der Grundeinstellung als, so die Selbstdarstellung auf der Webseite, „ein moderner ‚Tante Emma‘-Betrieb, der die gute, alte Dienstleistung als unsere Passion versteht“.

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