Pizza im Franzosenbungalow

16. Juli 2019

Die Vereinsgaststätte des FC Phönix hatte schon französische Küche, als es noch gar kein Lokal war. Kurzzeitig sollte hier am Nordost-Emde des historischen Schleißheimer Flugplatzes eine französische Militäreinheit angesiedelt werden und für diese Truppe wurde zuallererst ein neues Wirtschaftsgebäude für die Verpflegung hochgezogen. Als „Franzosenbungalow“ ging das Bauwerk in den Volksmund ein, heute betreibt darin Luigi Cuorvo die Vereinsgaststätte „Zum Phönix – Trattoria und Pizzeria da Luigi“. Phoenixfront

Auf dem seit dem Weltkrieg von US-amerikanischen Truppen besetzten Flugplatz sollte Anfang der 1960er Jahre auch eine Flugabwehrraketen-Stellung der französischen Nato-Verbündeten installiert werden. Zwei Unterkunftsbarracken wurden aufgestellt und, obwohl in unmittelbarer Nähe eine bestens ausgestattete amerikanische Küche vorhanden gewesen wäre, bestanden die Franzosen auf eigene Küche.

Dafür wurde das Gebäude mit Küche, Speise- und Aufenthaltsräumen aufwändig gebaut. Gegenüber, wo heute flache Hügel im Sportgelände erahnbar sind, standen zwei Unterkunftsbaracken; mit deutlich weniger Augenmerk errichtet als die Küche übrigens. Die Stellung der Flugabwehrraketen vom Typ „Hawk“ befand sich in der Fröttmaninger Heide, die Umrisse sind auch heute noch gut erkennbar.Eine „Hawk“-Batterie hat rund 50 bis 60 Soldaten, so dass mit Personal wohl 80 bis 100 Personen damals angesiedelt wurden. 1965 zog die französische Einheit nach Schleißheim – doch nach einer militärischen Neuorientierung trat Frankreich am 1. Juli 1966 aus der Nato aus, die Truppen wurden, kaum angekommen, nach wenigen Monaten wieder abgezogen.

Nach der bizarren Episode blieben die französischen Relikte zunächst über Jahre unangetastet. Die Unterkunftsbaracken wurden dann entfernt und anderswo neu aufgebaut. Der „Franzosenbungalow“ blieb ungenutzt stehen, im Gegensatz zu der älteren Bebauung aus den 1930er Jahren drum herum, die nach und nach abgerissen wurde.Nach der Freigabe des ehemaligen Flugplatzes erhielt der Kreisjugendring München-Land das Gelände um den „Franzosenbungalow“ und errichtete darin ein Selbstversorgerhaus für einen Jugendzeltplatz. Mit der Ansiedlung der Fußballplätze schließlich wurde das Gebäude zunächst Umkleidekabine für die Kicker und dann Vereinsheim. Die äußeren Dimensionen und auch die wesentliche Raumaufteilung mussten dazu nicht verändert werden.

Der FC Phönix hat in seinen Anfangsjahren nicht die Mittel, eine eigene Lokalität aufzubauen. Vereinstreff war der „Blaue Karpfen“. Erst mit dem Umzug ans Stichgartl 1926 konnte ein eigenes Vereinsheim geplant werden. 1930 wurde das Clubhaus mit Umkleidekabinen im Keller eingeweiht. Als Baumaterial dienten Bestandteile eines Funkerhäuschens vom Flughafen, das damals abgerissen wurde. Erster Wirt im Clubhaus war Josef Reiner, das Bier wurde noch von der – heute nicht mehr existenten - Gaststätte „Deutscher Ritter“ geholt. 1933 bekam das Vereinsheim eine eigene Schankkonzession, 1943 wurde es vom Verein der Gemeinde abgekauft. Seither konnte der Verein aus seinem Lokal Pachteinnahmen schöpfen und die Immobilie war ein Grundstock des Vereinsvermögens. 1964 wurde es dann umgebaut und erweitert.Die Wirte waren zunächst meist Fußballer, die das Clubhaus nebenbei bewirtschafteten. Unter den kommerziellen Wirten war Xaver Schiedermeier in den 1950er Jahren mit elf Jahren am längsten beim FC Phönix. Die nächste „Wirtslegende“ wurde dann Toni Renzullo, der die neue Gaststätte im „Franzosenbungalow“ bis 2016 zehn Jahre lang führte, erstmals in der Vereinshistorie als italienisches Restaurant.Vielleicht war es auch die positive Erinnerung an Tonis Ära, dass der FC Phönix bei der 2018 wieder akuten Suche nach einem neuen Vereinswirt wieder einen Italiener suchte. Als der Verein mal beim TSV Milbertshofen kickte und man anschließend im Biergarten des dortigen Vereinswirts saß, ergab sich ein Gespräch… Und seither ist Luigi Cuorvo vom Milbertshofener ins Schleißheimer Vereinslokal gezogen.

„Es passt hier“, schwärmt der 38jährige, „alles ist viel schöner hier.“ Sein Wunsch nach Veränderung war vor allem begründet, weil ihm die Milbertshofener Vereinsgaststätte zu groß geworden war und er nach zehn Jahren wieder in ein kleineres Lokal wollte. „In Schleißheim bin ich wunderbar aufgenommen worden“, freut er sich, „wir merken, dass die Leute uns mögen“.Cuorvo stammt aus Neapel und kam mit 16 Jahren nach München. Hier hat er immer in der Gastronomie gearbeitet, eine andere Arbeit sei für ihn nie in Frage gekommen. „Jeder Italiener fängt mit Tellerwaschen an“, schmunzelt er, so habe er sich immer weiter vorangearbeitet, bis er 2008 mit der Milbertshofener Vereinsgaststätte sein erstes Lokal übernommen hat, damals mit Vater Enzo als Kompagnon. Die Partnerschaft wurde irgendwann beendet, heute ist Enzo Cuorvo Chefkoch im Schleißheimer Restaurant des Sohnes.Überhaupt ist Luigis Trattoria ein Familienbetrieb. Ehefrau Carmen arbeitet mit, die beiden Töchter Francesca und Fabiana helfen auch schon aus. Die Familie lebt in Karlsfeld. Beim Einzug 2018 haben die Cuorvos nichts verändert, das Lokal wurde übernommen, wie es war. Als Neuerung ist derzeit in den Überlegungen, einen Ausschank im Freien für den Biergartenbetrieb zu installieren.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok