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Farbe als Motiv

02. Juli 2019

Im hohen Alter hat sich Josef Diepold jetzt noch die Portraitmalerei angeeignet; und auch in diesem Genre hat er es bereits zu beachtlicher Meisterschaft gebracht. Lebenslang geprägt ist das Werk des gebürtigen Steirers freilich von der Landschaftsmalerei – und das beliebteste Motiv ist der Schleißheimer Schlosspark. Zu seinem 80. Geburtstag hat der Schleißheimer Kunstmaler 2019 die vierte Künstlertasse des Tourismusvereins dann folgerichtig mit einem Parkmotiv gestaltet. Diepold

In der Steiermark geboren, kam Diepold 1960 nach München, um Werbegrafiker zu werden. „Auf die Malerei hab ich mich zuerst nicht getraut”, erzählte er mal. Weil aber die Grafik für ihn „ein furchtbarer Stress” war, verlegte er sich doch auf die Kunstmalerei. In der Mal- und Zeichenschule des akademischen Kunstmalers Hein König ging er in die Lehre und vertrat ihn dann auch gelegentlich als Dozent. Über eine Annonce fand er 1968 ein Atelier in Oberschleißheim, im Haus des kurz zuvor verstorbenen Dichters Bernd Isemann an der Freisinger Straße, in dem auch die „Biene Maja” entstanden ist.

Seine damalige Vermieterin, die Witwe Isemanns, wurde zu seiner Lebensgefährtin, das Paar zog in die Ertlbausiedlung in Oberschleißheim. Das Haus dort, seine Gefährtin ist mittlerweile verstorben, wurde zu einer regelrechten Galerie der Werke Diepolds. Seit 1973 stellt der Künstler seine Werke auch öffentlich aus, unter anderem in München, Salzburg, Graz, Wien oder Dachau. Oberschleißheim hat ihm 1998 den Kulturpreis der Gemeinde verliehen, Unterschleißheim zum 80. Geburtstag heuer eine Einzelausstellung im Bürgerhaus gewidmet.

Das Motiv der Künstlertasse, im Herbst leuchtende Bäume entlang des nördlichen Schlosskanals, zeigt unverkennbar Diepolds Schwerpunkt: die Farbe ist für ihn der Sinn des Bildes. „Die Farben müssen stimmen”, lautet sein Credo - und dafür stellt er sie auch selbst her. Als Autodidakt hat er über Anregungen von Fachbüchern gelernt, Pastellkreiden selbst zu erstellen.

Weit über 600 unterschiedliche Farben hat er in seinem Sortiment, eine Farbpalette, die er für seine Art der Naturabbildung braucht. „Es gibt so vielerlei Weiß und Schwarz”, sagt er, „selbst ein tiefer Schatten ist voller Farbe”. Derartige Nuancen freilich gibt es nicht zu kaufen. „Es lohnt sich”, sagt Diepold über die eigene Herstellung, „wenn ich das nicht könnte, wäre mir viel verloren gegangen”.

Seine fotografisch genauen Naturwiedergaben setzen stets auf die Atmosphäre der Szene. „Die Stimmung muss passen”, hat er seine Malweise mal erläutert, „am Vordergrund kann man länger arbeiten”.

Die Künstlertasse des Tourismusvereins mit Schleißheimer Motiven, gesehen von Schleißheimer Künstlern, ist 2016 mit dem Alten Schloss Schleißheim von Jürgen Pichler gestartet, 2017 zeigte die Tasse den alten Bahnhof von Schleißheim, gemalt von Theresa Maier und 2018 das Kloster Mittenheim von Stefanie Ihlefeldt. Die Tassen sind im Tourismusbüro erhältlich.