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Otto Bürger zum 80. Geburtstag

01. Juli 2019

Als 1977 das kleine Bändchen „Schleißheim in alten Ansichten erschien“, war Schleißheims Geschichte in der Moderne angekommen. Erstmals im 20. Jahrhundert gab es eine publizierte Darstellung der so ungeheuer vielfältigen Geschichte, erstmals setzte sich ein Zeitgenosse mit der lokalen Historie auseinander; zuvor hatte es nur Darstellungen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert gegeben, die hauptsächlich die Geschichte der Schlösser und ihrer herrschaftlichen Erbauer erzählten. IMG 20181215 WA0003
Der Autor war ein damals 38jähriger Angestellter bei der Landeszentralbank namens Otto Bürger. Heute ist Bürger längst selbst ein Teil der Schleißheimer Historie. 30 Bücher und Broschüren über Schleißheim hat er seither verfasst oder Beiträge beigesteuert, diverse Ausstellungen gestaltet, zahllose Vorträge und Führungen gehalten.
Bürger ist dabei mit jeder Facette der Schleißheimer Historie in persönlicher Beziehung. Sein Vater war Flugplatz-Landwirt, so etwas wie ein Hausmeister, auf dem historischen Schleißheimer Flugplatz, hatte in der Kommandantur dort seine Ehefrau kennengelernt, Bürgers Mutter. Das junge Paar bekam eine Wohnung am Ort, 1939 kam Sohn Otto zur Welt. In seiner Verwandtschaft hatte der junge Otto Bürger Lehrer, die sich mit der Geschichte ihres jeweiligen Dorfes oder Viertels beschäftigten, was den Bub sofort faszinierte. Von da an sammelte er alles, was mit seiner Heimat zu tun hatte. Als Diplom-Bundesbankbetriebswirt arbeitete er in München bei der Landeszentralbank in Bayern – und nach Feierabend durchstreifte er die Trödelläden und Antiquariate der Stadt.


„Die Händler kannten mich schon alle, die haben für mich eingekauft“, erzählt er. Rund 300 Bilder und 600 Postkarten mit Schleißheimer Motiven hat er gesammelt. Suchen – sammeln – herzeigen, beschreibt er selbst den Dreiklang, der ihn umtreibt. Seit den „alten Ansichten“ publiziert er immer wieder Zusammenstellungen unter unterschiedlichen Themen oder Titeln. Seine Monografie über den in Schleißheim lebenden Heraldiker Otto Hupp ist ebenso ein Standardwerk geworden wie seine Abhandlung über die Königlich-Bayerische Fliegertruppe in Schleißheim.
Seine Führungen an allen erdenklichen Orten und Plätzen Schleißheims sind stets von überbordendem Wissen und lückenloser Detailkenntnis unterfüttert – aber vor allem sind sie mit Herzblut gelebte Liebeserklärungen an Schleißheim. Bürger ist bei seinen Auftritten für jeden Spaß zu haben, als Leierkastenmann mit Frack und Zylinder, in Uniform mit Dreispitz und Säbel, natürlich Originalstücke, und für den „Schleißheimer Frühling“ des Tourismusvereins fährt er seine Führungen mit dem Radl.
Die Show liegt ihm, das Schreiben auch. Seit 1963 ist er freier Mitarbeiter des „Münchner Merkur“, hat seither hunderte Berichte über Ereignisse in Schleißheim verfasst und zahllose historische Miniaturen für die Tageszeitung. An der ersten Gemeindechronik von Oberschleißheim 1985 hat er ebenso mitgeschrieben wie an der neueren Ausgabe 2010. Er hat Münzen gestaltet und Briefmarken kreiert. Gerade sitzt er an einer Veröffentlichung über Otto Hupps Arbeit für den „Münchner Kalender“.
Neben Schleißheimer Devotionalen sammelt Bürger Meißener Porzellan. Dazu hat ihn – wieder eine Verschwägerung mit der Ortsgeschichte – Dr. Ernst Schneider motiviert, der die Sammlung Meißener Porzellans in Schloss Lustheim gestiftet hat und dort auch seinen Lebensabend verbracht hatte.
Seit 1992 ist Bürger Vorsitzender der „Freunde von Schleißheim“, für die er seither Vorträge, Führungen und Publikationen gestaltet hat. Seit über 50 Jahren ist der zweifache Vater und dreifache Opa Reiseleiter für Skifahrten, erst heuer im Winter war er mit einer Gruppe wieder in den französischen Alpen. Schlittschuhfahren und Tennis sind seine weiteren großen Hobbies.
Die Gemeinde Oberschleißheim hat den „Freunden von Schleißheim“ 2001 ihren Kulturpreis verliehen, Otto Bürger erhielt 2009 die Bürgermedaille. „Er sammelt, forscht und entdeckt immer wieder interessante Aspekte der vielfältigen und langen Geschichte Oberschleißheims“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler in ihrer Laudatio, „seine zahlreichen Veröffentlichungen werden sowohl von Fachleuten als auch von vielen Bürgern gelesen und geschätzt.“ Die Medaille, die von der Gemeinde an verdiente Bürger überreicht wird, hat übrigens Otto Bürger gestaltet.