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Ostereier zum Schrauben

14. März 2019

Es gab zu Ostern gefärbte Eier aus dem Hühnerstall. Genauso aber wurden Eier in Gold oder Silber gestaltet und an Halskettchen gehängt. Wie die „Babuschka“-Puppen zum Öffnen wurden Ostereier auch aus Holz geformt und ihre zwei Hälften dann zusammengeschraubt. Und die Zarenfamilie verschenkte traditionell Ostereier aus Porzellan an ihre Freunde und verdiente Offiziere.

GeschOstereierzumSchraubenmückt waren die Eier dereinst alle mit den Buchstaben X und B, den kyrillischen Anfangsbuchstaben des Ostergrußes (in lateinischer Umschrift) „Christos voskres – Christus ist auferstanden“. Die unterschiedlichsten Ostereier aus diesem Volksbrauch - und Dutzende andere - sind im Alten Schloss Schleißheim in der Sammlung „Das Gottesjahr und seine Feste“ zu sehen.

Die Berlinerin Gertrud Weinhold (1899-1992) hat darin weltweit religiöse Volkskunst gesammelt, die im jeweiligen Lokalkolorit zu den Fixpunkten im christlichen Jahreskreis entstanden war. Über 6000 Objekte dokumentieren die Kalenderfeste des religiösen Jahres mit ihren Ritualgegenständen aus aller Welt und zeigen damit „das Evangelium in den Wohnungen der Völker“, wie es Weinhold beschrieb.

Die evangelische Pädagogin, beruflich Leiterin einer Volkshochschule der Inneren Mission, hat bis ins hohe Alter die Welt bereist und aus 48 Ländern Stücke in ihre Sammlung integriert. Die Ausstellung im Alten Schloss wurde noch von Gertrud Weinhold persönlich aufgestellt, die Erläuterungen in den einzelnen Vitrinen von ihr verfasst.

Jenseits des religiösen Aspekts ist die Sammlung einzigartig in ihrer Dokumentation der Alltagskultur des 20. Jahrhunderts, besonders in Hinsicht auf das lokale Kunsthandwerk und die regionale Volkskultur, die in der zweiten Jahrhunderthälfte weitgehend von industrieller Massenfertigung abgelöst wurde. Während die ursprüngliche religiöse Volkskunst allmählich ausstarb, hat Weinhold sie noch in den Familien abgeholt, in lokalen Hand- und Hauswerkstätten, in denen nach altem Brauch geschnitzt, modelliert und gemalt wurde – wie auch die gezeigten Ostereier.