Ein Fleckerlteppich aus Musik

28. Februar 2019

Die Gruppe der Musikvereinigung Oberschleißheim vermittelt Kindern die Musik der Heimat und gestaltet bunte Auftritte, zum Beispiel beim „Museumstag“ im Schloss Fleckerteppich

Sofie ist das kleinste Kind in der Familie und drum hat sie auch die kleinste Blockflöte. Das ärgert sie so, dass sie ihre winzige Flöte in den Bach schmeißt und lieber überhaupt nicht mehr Musik machen mag. Bis sie beim Besuch der Oma in den Bergen völlig unbekannte Töne hört… Und als sie nachforscht, wo die herkommen, entdeckt sie ein Instrument, das nur die allerallergrößte Blockflöte der Welt sein kann…

Die musikalische Geschichte für Groß und Klein um „Sofie und das große Horn“ funktioniert auch ohne Berge. Wichtig ist nur eine Blockflöte, ein großes Horn und Kinder, die gern musizieren – dann geht als Kulisse zur Not auch ein Schloss… Den „Internationalen Tag des Museums“ gestaltet im Schloss Schleißheim regelmäßig die Gruppe „Fleckerlteppich“ mit Gästen. Heuer wird am Sonntag, 19. Mai, „Sofie und das große Horn“ aufgeführt (14.30 Uhr, freier Eintritt für Kinder).

Der Name „Fleckerlteppich“ ist dabei Programm – mehrere, immer mal wieder wechselnde Gruppen sind lose zusammengeknüpft – und erklärt auch die Entstehung. Eine Volksmusikgruppe wer einst eine der drei Säulen der Musikvereinigung Oberschleißheim bei ihrer Gründung 1980. Während Blaskapelle und „Schloßpfeiffer“ konstant florierten, war die Volksmusik nach rund 20 Jahren weitgehend entschlafen.

2002 wurden dann bestehende lose Formationen am Ort oder einzelne ihrer Mitglieder wie ein Fleckerlteppich zusammengefügt, damit auch die Volksmusik wieder ihren Platz im Verein bekam. Von der Birkenstoana Saitenmusik kamen die Musikanten, von der „Gocklblock Musi“, einer Hausmusik aus dem Wohnblock in der Parksiedlung, der mit einem Gockel verziert war, von der Gruppe Saitenspiel. Zusammengefügt hat diesen „Fleckerlteppich“ Sigrid M. Süss – und 17 Jahre später hält sie die Fäden immer noch zusammen.

Der Ansatz war schon damals, die Volksmusikgruppe „für die Kinder aufzubauen“, erinnert sich Süss. Das offizielle Motto lautet, „die Musik unserer Landschaft zu pflegen und sie an die Kinder und Jugend weiter zu geben.“ Neben der landschaftstypischen Musik – „Volksmusik“ hört die Gruppe wegen der Verwechslungsgefahr zur volkstümelnden Musik nicht gern – gehören auch Folklore, Schlager und Popmusik dazu. Die Jugendgruppe im „Fleckerlteppich“ ist auch immer wieder mit eigenen Veranstaltungen aktiv. Jedes Jahr etwa gestaltet die Gruppe einen musikalischen Nachmittag im Gemeindeferienprogramm.

Aus dem dort gewählten multinationalen Ansatz zur Musikvermittlung entstand dann ein richtiges Konzertprogramm. Zusammen mit dem Bläserteam der Volkshochschule Oberschleißheim spielt der „Fleckerlteppich“ am Sonntag, 10. März, in einer Soirée im Kulturcafé am Huppwald „Suserl trifft Ali – eine musikalische Reise um die Welt“. Mit Saxophon, Alphorn, Quer- und Blockflöte, Harfe, Hackbrett, Gitarre und Gesang werden Lieder und Tänze aus aller Welt geboten.

Im „Fleckerlteppich“ sind ansonsten auch noch die Zither zu hören, Klangbrett, Tiroler Harfe, Kontra-Gitarre oder die Schwegelflöte, eine Holzquerflöte aus der Steiermark. Es gibt eine Gruppe Hackbrett und die Saitenzupfer unter Leitung von Monika Reichold, ein Gitarrenensemble unter Laura Kellner. Eine Geige für Geigenlandler gibt’s auch. Da war Sigrid Süss mal aufgefallen, dass in einem Getränkemarkt auf ihrem Weg in der Mittagspause oft Geigenspiel zu hören war. Sie sprach den Filialleiter Manfred Danzer darauf an und er erzählte, dass er die Pause immer zum Üben auf seiner Geige nutze. Süss warb ihn sofort für den „Fleckerlteppich“.

Sigrid M. Süss stammt vom Wörthersee in Kärtnen. Nach einer Konditorlehre machte sie ihre Liebe zur Musik zum Beruf und absolvierte eine Ausbildung zur Musikschullehrerin. Sie landete in München, wo sie über 30 Jahre lang bei der Städtischen Musikschule Querflöte unterrichtete, dazu betreute sie Singklassen und gab Musikalische Früherziehung.

1972 zog sie mit ihrer Familie nach Oberschleißheim. Hier unterrichtet sie seit rund 25 Jahren an der Volkshochschule, zunächst auch Querflöte, zuletzt dann nur noch die allerkleinsten Kinder und „Stammkunden“. Das Bläserteam der Vhs betreut sie heute noch. Sie spielt Block- und Querflöte und als Hobby hatte sie sich auch die Tiroler Harfe angeeignet. Leidenschaftlich singt sie und war viele Jahre im Münchener Bach-Chor aktiv. „Bach hat mich immer begeistert“, schwärmt Süss. Irgendwer hat ihr in der Ausbildung mal gesagt, mit Kindern zu arbeiten, sei ihre Eignung. „Mein Leben lang ist das so geblieben“, erzählt sie, „ich bin heute immer noch begeistert davon“.

Außer den Auftritten mit den Kindergruppen ist der „Fleckerlteppich“ bei Feiern oder Gottesdiensten aktiv, steuert zu allen gemeinsamen Konzerten der Musikvereinigung sein Repertoire. Im Haus St. Benno des Katholischen Männerfürsorgevereins werden gemeinsam Lieder gesungen.

Der alte Brauch der „Musik im Wirtshaus“ ist von der Gruppe wieder belebt worden so spielt man regelmäßig in der Wirtsstube oder auch im Biergarten auf. Engagiert wird die Gruppe zu Familienfesten und Geburtstagsständchen, zu Ehrungen und Vorträgen, in Museen und Galerien, um den Veranstaltungen musikalisch den passenden Rahmen zu geben. Das Honorar dafür geht übrigens ausschließlich in die Musikausbildung der Jugend, die Musiker spielen alle ehrenamtlich – und aus Spaß an der Freud!

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