Buttriges Aroma mit Espresso-Rinde

01. Dezember 2018

Der „Käseschlemmer“ an der Lohhofer Bezirksstraße verbindet exquisite Käsesorten mit Beratung, Verkostung und Informationen 

Zum Festmenü an Weihnachten empfiehlt der „Käseschlemmer“ beispielsweise einen selbstgemachten „Stilton in Port“, einen englischen Edelpilzkäse in Portwein. Oder, als Dessert nach Gans oder Karpfen, eine Gorgonzola-Kakao-Praline, auf der Basis eines sehr cremigen Gorgonzolas, ummantelt mit einer hausgemachten Kreation aus Kakao, Amaretto und Amarettini… Und im Laden an der Lohhofer Bezirksstraße werden die Käse dann auch noch mit fachlichen Erläuterungen garniert. KaeseLohhof

„Erlebniseinkauf“ vermittle der „Käseschlemmer“, hat das Team um Rainer Stange dort schon öfter von Kunden zu hören bekommen. Es war die große Frage, als der „Käseschlemmer“ 2011 eröffnete: Trägt sich ein reines Käsefachgeschäft in einer Stadt wie Unterschleißheim, kann der Käseverkauf so vermittelt werden, dass er im Idealfall zum Erlebnis wird? „Die Kunden haben es von Anfang an angenommen“, freut sich Stange, „und immer besser, als sie dann auch noch festgestellt haben, dass wir wirklich Ahnung vom Käse haben“.

Der „Käseschlemmer“ hat Bezug zu jedem Stück Käse im Sortiment. Verkauft wird nur traditionell-handwerklich hergestellter Käse. Die meisten Käsereien sind persönlich bekannt, die Käse sind hergestellt ohne Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe. Angeboten werden üblicherweise rund 160 verschiedene Sorten, in der Hochzeit vor Weihnachten sind es bis zu 180. Sie stammen aktuell aus zwölf verschiedenen Ländern. Übers Jahr wechseln etwa 20 Prozent des Sortiments.

Die Zusammensetzung des Angebots ist einzig eine Frage der Nase. „Was uns nicht schmeckt, bekommt der Kunde gar nicht angeboten“, schildert Stange. Die „Käseschlemmer“ legten dabei hohe Maßstäbe an und seien „echt heikel“. Freilich seien die Kunden „offenbar ganz zufrieden mit unserem Geschmack“.

Sein Geschmack war auch das Rüstzeug, mit dem Rainer Stange in den „Käseschlemmer“ gestartet ist. Als Diplom-Betriebswirt war er zuvor in Vertrieb und Marketing tätig. Als sein Arbeitgeber aber umstrukturierte, stieg er aus und der begeisterte Hobby-Koch und Genießer machte seine große Leidenschaft zum Beruf. Als Kompagnon seines Freundes Hubert Klepper, der seit 1999 mit Ehefrau Regine den „Käseschlemmer“ in Neufahrn betreibt, öffnete er eine Filiale an der Bezirksstraße in Lohhof. Er habe nach der zuvor eher abstrakten Tätigkeit „den direkten Kontakt zum Produkt und zum Kunden“ gesucht, schildert Stange seine Neuorientierung.

Hubert Klepper, staatlich geprüfter Techniker in Milchwirtschaft und Molkereiwesen, und Ehefrau Regine, Milchwirtschaftliche Labormeisterin, brachten dem neuen Kollegen in einer sechsmonatigen intensiven Einweisung das nötige Rüstzeug bei. „Es ist schon sehr umfänglich, was man an Wissen mitbringen muss“, findet Stange. In den sieben Jahren im Laden hat er das nun kräftig vertieft und ausgebaut: „Jede neue Sorte bedingt neue Infos.“

Weitergegeben wird das nicht nur beim Verkauf im Laden, sondern auch auf Veranstaltungen oder Käseverkostungen, bei Caterings oder ähnlichem. Auch ein Sortiment an Beigaben zum Käse hat sich der „Käseschlemmer“ aufgebaut, Brot, Aufstriche, Weine, Biere und vieles mehr. „Bier enthält viermal so viele Aromen wie Wein“, weiß Stange, „das ist in der Kombination mit Käse erheblich vielfältiger.“ Mit örtlichen Gastronomen arbeitet der „Käseschlemmer“ ebenso zusammen, wie man seine Angebote auch für private Feiern als Catering buchen kann. In dem schmalen Geschäft an der Bezirksstraße finden immer wieder Verkostungen oder andere „Käseschlemmer“-Events mit bis zu 40 Gästen statt.

Eine besondere Attraktion sind die selbst gemachten Gerichte vom Pesto bis zur Suppe – und insbesondere die Frischkäse-Kreationen. Stange und die Familie Klepper, seit Jahren Nachbarn in Kranzberg, probieren neue Ideen zuhause in der Lebensmittelküche aus und bereiten sie, wenn sie zusagen, dann für den Laden zu. Hier ist der Austausch fließend. Der Apfel-Meerrettich-Frischkäse im Sortiment etwa entstand auf Anregung eines Kunden.

Der absolute Renner in den ovalen weißen Töpfen ist der Dattel-Lauch-Frischkäse, der an der Bezirksstraße so gut ankommt, dass ihn Kunden schon in „Lohhofer“ umbenannt haben. Spitzenreiter der Publikumsgunst im Gesamtsortiment ist der Espressokäse von einem italienischen Produzenten. Der zwölf Monate gereifte Hartkäse mit buttrigem Aroma ist ummantelt mit einer von Hand aufgetragenen gerösteten Espressoschicht. Das Etikett im Laden verspricht „eine Belohnung für die Sinne“.

Der Chef selbst bevorzugt einen Beaufort d’Alpage, ein 24 Monate ausgereifter Franzose mit sahniger Struktur im oberen halbwürzigen Bereich. Derartige Expertisen und das umfassende Wissen der Mitarbeiter machten den Laden einzigartig am Ort, glaubt Stange: „Das hebt uns definitiv ab von anderen Gelegenheiten, hier Käse zu bekommen“. Auch auf Märkten ist der „Käseschlemmer“ häufig vertreten, unter anderem bislang stets auch auf dem „Schleißheimer Advent“ des Tourismusvereins, wo er heuer jedoch aus personellen Gründen passen muss.

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