Der Grieche, der immer da ist

02. Oktober 2018

Die Geschichte von Georgios und dem „Poseidon“ war schon mal zu Ende. Nach zehn Jahren in dem griechischen Restaurant in Oberschleißheim verabschiedeten sich die Kompagnons Dimitrios und Georgios nach Griechenland. Doch Nachfolger Kostas wurde nicht recht glücklich, der Betrieb wuchs ihm über den Kopf. Drei Jahre später kam ein Anruf aus Bayern nach Larissa in Nordgriechenland... BlauerKarpfenPoseidon

Georgios Bolousis, der sich dort einigermaßen lustlos als Autohändler versuchte, rief seinerseits die beiden Chefköche aus den alten "Poseidon"-Zeiten an, das Ehepaar Georgios und Rulla, die mit ihm aufgehört hatten – und die drei kehrten nach Oberschleißheim zurück; die Chefkellner Georgios und Dimitri waren eh noch da. „Und jetzt bleib ich hier bis zur Rente“, verspricht Georgios, „das ist einfach mein Leben“.

Seit 1987 ist das Traditionshaus unmittelbar am Schlosskanal „ein Grieche“. 1991 kellnerte Georgios Bolousis hier, lernte so Wirt Dimitrios Stanos kennen. 1996 stieg er als Kompagnon ein. „Die Leute, die damals hier waren, kommen mittlerweile schon mit ihren Enkeln“, schwärmt er, „das ist einfach schön“. Über 20 Jahre am gleichen Ort gut im Geschäft – für eine Gastronomie keine alltägliche Bilanz. Heuer hat der Gewerbeverband Oberschleißheim Georgios Bolousis mit seinem Gütesiegel für Qualität, Kompetenz und Service ausgezeichnet.

Die Qualität des Angebots sieht auch der Wirt als Schlüssel des langjährigen Erfolgs an. „Du kannst das Gyros halt mit Fleisch vom Hals und der Schulter mischen“, sagt er beispielsweise, „das ist günstiger. Aber das bessere Fleisch ist einfach nur am Hals.“ Seit 25 Jahren, auch in einem früheren Betrieb, arbeitet Bolousis mit dem gleichen Lieferanten zusammen. „Wenn Du mal sparst bei der Qualität, merken das die Kunden“, ist der Wirt überzeugt.

Die Beständigkeit wird gewürzt mit immer neuen Rezepten. „Ich passe genau auf, was meine Mutter so kocht“, verrät Georgios, „und dann frag ich: Mama, wie machst du das?“ Die Zucchini-Pflanzerl mit Käse sind auf der aktuellen Speisenkarte etwa ein Rezept von Mama Bolousis.

Ein weiteres Plus: das „Poseidon“ hat immer auf, keine Ferien, keinen Ruhetag und die Küche kocht am Ort am längsten warm. „So was kann nur klappen, wenn du daran glaubst, was du machst“, sagt der Chef, „du musst lieben, was du tust“.

Ihn hat die Liebe zur Gastronomie schon beim ersten Ferienjob gepackt. Geboren wurde Georgios in Marburg als Sohn griechischer Gastarbeiter, Bis zum siebten Lebensjahr pendelte er zwischen Deutschland und Griechenland, dann lebte er in Larissa. "Meine Gefühle sind so halb-halb", sagt er. Nach der Schule jobte er auf der Ferieninsel Skiathos in einem riesigen Hotel, zunächst als Kofferträger, später als Kellner.

„Mir hat alles gut gefallen“, schwärmt er, "es war für mich ein Vergnügen, zu bedienen und wenn es den Leuten schmeckt“. Nach den Ferien war’s damit aber auch wieder vorbei – bis der Onkel Wassili in Haar den Neffen bei einem zufälligen Smalltalk beiläufig nach München einlud. „Das war irgendwie mein Schicksal“, lacht Georgios.

Einige Jahre kellnerte er in und um München - 1991 in Oberschleißheim - und eröffnete dann mit 23 Jahren in München-Riem ein eigenes Lokal, das „Athen“. 1996 stieg er im „Poseidon“ ein. 12 Mitarbeiter sorgen mittlerweile mit dem Ehepaar Bolousis dafür, dass der Laden läuft. Der Wirt lebt mit seiner Familie, Ehefrau und zwei Kindern, einen Steinwurf vom Lokal entfernt.

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