Geradewegs in die Luft

23. Juli 2019

Der Start 1967 muss ein Spektakel gewesen sein. Die „Do 31“ ist eines jener riesigen Monumente, vor denen der Laie auch heute noch staunt, wie so ein Gigant überhaupt fliegen kann. Aber das 21 Tonnen schwere Flugzeug mit Transportkapazität für einen Dreitonner-Lkw nutzte zum Start nicht mal aerodynamische Effekte. Als Senkrechtstarter wurde sie von zehn Triebwerken von ihrem Standplatz geradewegs in die Luft gedrückt. Senkrechtstarter

Das Modell aus den Oberpfaffenhofener Dornier-Werken ist damit die Apotheose des Senkrechtstartflugs. Sein Prototyp „E-3“ lieferte mit 65 Senkrechtstarts und 77 Senkrechtlandungen den Nachweis, dass die Technik auch auf Transportflugzeuge dieser Dimension anwendbar ist. Gleichzeitig aber zeigte der Flieger auch durch seinen Treibstoffverbrauch und die Lärmentwicklung die Grenzen der Methode auf.

Über 20 Jahre stand die „Dornier Do 31 E-3“ als Blickfang vor dem Deutschen Museum auf der Münchner Museumsinsel, 1995 kam sie nach Schleißheim, wo sie als eines der ersten Objekte in der Schauwerkstatt der damals noch jungen Museumsdependance wieder hergerichtet wurde. Vor wenigen Wochen nun ist die Schau der Senkrechtstarter hier komplettiert worden: Die Flugwerft Schleißheim dokumentiert nun als einziger Ausstellungsort das komplette deutsche Senkrechtstartflugprogramm.

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Pizza im Franzosenbungalow

16. Juli 2019

Die Vereinsgaststätte des FC Phönix hatte schon französische Küche, als es noch gar kein Lokal war. Kurzzeitig sollte hier am Nordost-Emde des historischen Schleißheimer Flugplatzes eine französische Militäreinheit angesiedelt werden und für diese Truppe wurde zuallererst ein neues Wirtschaftsgebäude für die Verpflegung hochgezogen. Als „Franzosenbungalow“ ging das Bauwerk in den Volksmund ein, heute betreibt darin Luigi Cuorvo die Vereinsgaststätte „Zum Phönix – Trattoria und Pizzeria da Luigi“. Phoenixfront

Auf dem seit dem Weltkrieg von US-amerikanischen Truppen besetzten Flugplatz sollte Anfang der 1960er Jahre auch eine Flugabwehrraketen-Stellung der französischen Nato-Verbündeten installiert werden. Zwei Unterkunftsbarracken wurden aufgestellt und, obwohl in unmittelbarer Nähe eine bestens ausgestattete amerikanische Küche vorhanden gewesen wäre, bestanden die Franzosen auf eigene Küche.

Dafür wurde das Gebäude mit Küche, Speise- und Aufenthaltsräumen aufwändig gebaut. Gegenüber, wo heute flache Hügel im Sportgelände erahnbar sind, standen zwei Unterkunftsbaracken; mit deutlich weniger Augenmerk errichtet als die Küche übrigens. Die Stellung der Flugabwehrraketen vom Typ „Hawk“ befand sich in der Fröttmaninger Heide, die Umrisse sind auch heute noch gut erkennbar.Eine „Hawk“-Batterie hat rund 50 bis 60 Soldaten, so dass mit Personal wohl 80 bis 100 Personen damals angesiedelt wurden. 1965 zog die französische Einheit nach Schleißheim – doch nach einer militärischen Neuorientierung trat Frankreich am 1. Juli 1966 aus der Nato aus, die Truppen wurden, kaum angekommen, nach wenigen Monaten wieder abgezogen.

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Farbe als Motiv

02. Juli 2019

Im hohen Alter hat sich Josef Diepold jetzt noch die Portraitmalerei angeeignet; und auch in diesem Genre hat er es bereits zu beachtlicher Meisterschaft gebracht. Lebenslang geprägt ist das Werk des gebürtigen Steirers freilich von der Landschaftsmalerei – und das beliebteste Motiv ist der Schleißheimer Schlosspark. Zu seinem 80. Geburtstag hat der Schleißheimer Kunstmaler 2019 die vierte Künstlertasse des Tourismusvereins dann folgerichtig mit einem Parkmotiv gestaltet. Diepold

In der Steiermark geboren, kam Diepold 1960 nach München, um Werbegrafiker zu werden. „Auf die Malerei hab ich mich zuerst nicht getraut”, erzählte er mal. Weil aber die Grafik für ihn „ein furchtbarer Stress” war, verlegte er sich doch auf die Kunstmalerei. In der Mal- und Zeichenschule des akademischen Kunstmalers Hein König ging er in die Lehre und vertrat ihn dann auch gelegentlich als Dozent. Über eine Annonce fand er 1968 ein Atelier in Oberschleißheim, im Haus des kurz zuvor verstorbenen Dichters Bernd Isemann an der Freisinger Straße, in dem auch die „Biene Maja” entstanden ist.

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Otto Bürger zum 80. Geburtstag

01. Juli 2019

Als 1977 das kleine Bändchen „Schleißheim in alten Ansichten erschien“, war Schleißheims Geschichte in der Moderne angekommen. Erstmals im 20. Jahrhundert gab es eine publizierte Darstellung der so ungeheuer vielfältigen Geschichte, erstmals setzte sich ein Zeitgenosse mit der lokalen Historie auseinander; zuvor hatte es nur Darstellungen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert gegeben, die hauptsächlich die Geschichte der Schlösser und ihrer herrschaftlichen Erbauer erzählten. IMG 20181215 WA0003
Der Autor war ein damals 38jähriger Angestellter bei der Landeszentralbank namens Otto Bürger. Heute ist Bürger längst selbst ein Teil der Schleißheimer Historie. 30 Bücher und Broschüren über Schleißheim hat er seither verfasst oder Beiträge beigesteuert, diverse Ausstellungen gestaltet, zahllose Vorträge und Führungen gehalten.
Bürger ist dabei mit jeder Facette der Schleißheimer Historie in persönlicher Beziehung. Sein Vater war Flugplatz-Landwirt, so etwas wie ein Hausmeister, auf dem historischen Schleißheimer Flugplatz, hatte in der Kommandantur dort seine Ehefrau kennengelernt, Bürgers Mutter. Das junge Paar bekam eine Wohnung am Ort, 1939 kam Sohn Otto zur Welt. In seiner Verwandtschaft hatte der junge Otto Bürger Lehrer, die sich mit der Geschichte ihres jeweiligen Dorfes oder Viertels beschäftigten, was den Bub sofort faszinierte. Von da an sammelte er alles, was mit seiner Heimat zu tun hatte. Als Diplom-Bundesbankbetriebswirt arbeitete er in München bei der Landeszentralbank in Bayern – und nach Feierabend durchstreifte er die Trödelläden und Antiquariate der Stadt.

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