Museum, Schlösser und Regatta

Was bietet Schleisscheim im Lockdown an

Führungen durch die Flugwerft des Deutschen Museums soll es schon bald wieder geben – virtuell. Eine Online-Führungsreihe im YouTube-Kanal des Deutschen Museums gibt es bereits. Demnächst soll auch eine Live-Führung durch die Schleißheimer Flugwerft angeboten werden. „Da können die Kollegen aus dem Ausstellungsdienst wieder das machen, was sie am Liebsten machen“, berichtet Museumssprecher Gerrit Faust, „nämlich Menschen durch die Ausstellung zu führen, wenn auch nur virtuell.“Flugwerft2

Momentan sind die sieben Mitarbeiter im Ausstellungsdienst mit Instandhaltungsarbeiten, mit der Grundreinigung von Exponaten und dem Reparieren von defekten Demonstrationen beschäftigt. Das Museum hat unter regulären Umständen nur acht Schließtage im Jahr, an denen keine Besucher im Haus sind. „Da bleibt für viele grundsätzliche Dinge wie die Gebäudetechnik und den Bauunterhalt zu wenig Zeit“, betont Faust.

Unvermindert geht die Arbeit in der Flugzeugwerkstatt weiter, wenn auch der Aspekt als „Schauwerkstatt“ fehlt. Üblicherweise kann man den Restauratoren dort über die Schulter schauen, ein zentraler Baustein des „lebendigen Museums“, als das die Flugwerft konzipiert ist.

In der Werkstatt herrscht gerade deutlich mehr Betrieb als sonst, da man mit den Vorbereitungen für die Rückkehr der großen Luftfahrtausstellung auf der Museumsinsel in München beschäftigt ist. Etliche Exponate sind während der ersten Bauetappe der Sanierung des Museums nach Schleißheim ausgelagert worden und müssen vor dem Wiedereinzug restauriert werden.

Gerade werden zum Beispiel die „Me 262“ und die „Messerschmitt Bf 109“ für den Transport auf die Museumsinsel zerlegt. Gleichzeitig werden neue Demonstrationen angefertigt. Die Flugzeugwerkstatt hat zudem eine spezielle Hebevorrichtung konstruiert, die es erlaubt, das Kunstflugzeug „Extra 300“ in der neuen Luftfahrtausstellung auf der Museumsinsel senkrecht an die Wand zu hängen.

Externe Führer können schon seit dem ersten Lockdown ab März kaum mehr beschäftigt werden, da keine Führungen im gewohnten Umfang mehr angeboten werden konnten. Auch Kassenkräfte wurden entbehrlich, da während der Öffnung zwischen den Schließungen komplett auf Online-Ticketing umgestellt werden musste. Ob sich die Museumsführer nach der langen Pause wieder zur Verfügung stellen können, ist derzeit noch nicht absehbar.

Dramatische Einbußen hat das Museum auch durch fehlende Einnahmen. „Einnahmeverluste in Millionenhöhe“, die Faust für das gesamte Deutsche Museum mit seinen Außenstellen summiert, würden mittelfristig dann auch für die Erhaltung der Exponate oder für Unterhaltsarbeiten fehlen. „Das ist für das Haus insgesamt sehr schlecht“, bedauert er, „und unglaublich schade für unsere Besucher.“

Ein Spaziergang im Schlosspark gehört zu Lockdown-Zeiten zu den gerne genutzten Freizeitbeschäftigungen, die noch verblieben sind. Die Schlösser mit ihren Schauräumen, der Gemäldegalerie und den Museen im Alten Schloss und Lustheim sind freilich geschlossen.

Kutschengala frontHinter den Kulissen aber ist in den Schlössern alles andere als Lockdown. „Die Zeiten ohne Besucher nutzt die Bayerische Schlösserverwaltung für wichtige Arbeiten“, heißt es aus der Hauptverwaltung in Nymphenburg. So reinigt und entrümpelt das Museumspersonal beispielweise Bereiche, „die sonst nicht prioritär behandelt werden“, wie das formuliert ist. Gründlich gereinigt werden etwa momentan die Zwischengeschoße, die Speicher, die Keller, der Verbindungsgang zwischen Altem und Neuen Schloss oder Funktionsräume wie etwa der Heizungskeller. Im Alten Schloss wurde die Ruhezeit genutzt und gerade die gesamte Heizungsanlage saniert.

In der Außenverwaltung Schleißheim mit deren Außenstelle Schloss Dachau arbeiten 65 fest beschäftigte Mitarbeiter. Neben den Reinigungsarbeiten leisten sie derzeit auch die notwendigen Überwachungsaufgaben und helfen teilweise sogar im Hofgarten mit. Aktuell läuft der Heckenschnitt. Gemeinsam wurde die Sommerbepflanzung aus den Rabatten entfernt und für die nächst anstehende Frühjahrsbepflanzung bereits ein Teil der Kanten gestochen oder das Lustheimer Blumenparterre entkrautet. Auch Parkbänke werden abgeschliffen und neu gestrichen.

Über Jahrzehnte ist an der Schleißheimer Regattaanlage nichts investiert worden. Und just in dem Moment, in dem sich die Stadt München zu einer epochalen Sanierung für das Olympische Bauwerk aufgerafft hatte, haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie den städtischen Haushaltsplan zerschossen. Damit könnte die Olympische Regattastrecke langfristig irreparable Schäden aus der Pandemie davontragen.

Die Landeshauptstadt, die das olympische Erbe alleine unterhält, hat mit der Überprüfung des Investitionsansatzes auch gleich ihre Zielsetzung über den Haufen geworfen. Der ursprüngliche Sanierungsplan mit einem 2019 bereits genehmigten Budget von 61 Millionen Euro im ersten Bauabschnitt sollte die Anlage rechtzeitig zum 50. Geburtstag wieder fit für die regelmäßige Nutzung durch Sportvereine machen – und ebenso für die internationalen Großereignisse, die jahrelang auf der weltweit renommierten Anlage zu Gast waren.

Als eine der ersten Maßnahmen, die akute Schieflage im städtischen Etat im Gefolge von Corona auszubügeln, wurde die geplante Sanierung komplett gestrichen. Da sich das Münchner Rathaus aber zur Ausrichtung der Ruder- und Kanuwettbewerbe bei den European Championships 2022 rechtsverbindlich verpflichtet hatte, musste nun zumindest dieses Ereignis vorbereitet werden.

Im Dezember gab der Stadtrat neun Millionen Euro für unumgängliche Arbeiten zum Erhalt der Anlage frei, dazu eine weitere Million für die Ausstattung zu den European Championships. Viel entscheidender als die finanziellen Abstriche aber ist der dahinter liegende Strategiewechsel. Nun heißt es aus dem Münchner Bildungs- und Sportreferat, es bedürfe „einer Neuausrichtung der Zielgruppen“.

Die Sanierungsmaßnahmen sollten nun „größtmögliche Breitenwirkung erzielen und vor allem den Ruderern und Kanuten für den laufenden Trainingsbetrieb sowie den Freizeit- und Breitensportlern zugute kommen“. Leistungssport und Veranstaltungen seien „aufgrund der kommunalen Aufgabenstellung nachrangig zu berücksichtigen“.

Für „Regatta München“, den Regattaverband der Metropolregion München, ist das „eine elegante Verbrämung dafür, dem olympischen Erbe den Todesstoß zu versetzen“, sagt der Vereinsvorsitzende Oliver Bettzieche: „Auf der Olympia-Regattastrecke von 1972 sollen künftig keine Ruder- oder Kanuregatten mehr stattfinden – das ist die Quintessenz des Beschlusses.“

Für Großveranstaltungen sei es laut Münchner Rathaus „zumutbar, die dafür notwendigen Spezialeinrichtungen für wenige Veranstaltungen im Jahr mobil undRegatta2

temporär herzustellen“. Für die European Championships übernimmt dies die Stadt mit den bewilligten 1,1 Millionen Euro etwa für die nötige Verkabelung und eine Tribüne für 3000 Zuschauer.  

Bettzieche befürchtet allerdings, dass diese „temporären Spezialeinrichtungen“ künftig dann dem Ausrichter aufgedrückt werden. Für die „European Rowing Junior Championships 2021“ etwa habe die Stadt keinerlei Mittel freigegeben. Damit würden „Regatten ab jetzt mit zweierlei Maß gemessen“, moniert Bettzieche. Für den ehrenamtlich strukturierten Ausrichterverein sei das aber nicht zu stemmen. „Diese Veranstaltungen werden so nicht mehr möglich sein“, stellt er klar.

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