der gewerbeband Oberschleissheim

feiert sein 60jähriges Bestehen mit einer imposanten Chronik

60 Jahre existiert ein Gewerbeverband in Oberschleißheim. Aber richtig in Fahrt gekommen ist die Standesvertretung erst bei einem Neustart 2005. Seither hat der Gewerbeverband seine Mitgliederzahl auf laufend neue Rekordmarken – aktuell 91 Mitglieder – ausgebaut und sich als unverzichtbarer Akteur im Ortsgeschehen und der Kommunalpolitik etabliert. Die Jahre davor liegen bis auf wenige Schlaglichter ziemlich im Verborgenen.

Zum Jubiläum werden die 60 Jahre nun in einer imposanten Chronik dokumentiert. Marketingreferent Hans Treffer hat seit der Neugründung 2006 akribisch alle Dokumente und Berichte zum Gewerbeverband und seinen Aktivitäten gesammelt, um Materialien aus den Jahren davor ergänzt und zu einer „Zeitreise durch sechs Jahrzehnte“ gestaltet. Als hochwertiges Buch mit über 300 Seiten erhalten es die knapp 100 Verbandsmitglieder zum Jubiläum als Präsent.

Der dritte und nachhaltige Neustart kam 2005 „von oben“. Sie plane „eine Initiative, um das Gewerbe am Ort etwas zu mobilisieren“, schrieb Bürgermeisterin Ziegler 2005 in einem Beitrag für die schleissheimer-zeitung.de: „Nachdem von unserem Gewerbeverband nichts mehr zu hören ist, finde ich, dass es mal eines Anstoßes bedürfte, um unsere Gewerbetreibenden zusammenzubringen.“

Zusammen mit dem Landesverband des Bundes der Selbständigen/Deutscher Gewerbeverband lud die Bürgermeisterin dann für den 2. Februar 2006 zu einer „Wiederbelebung“ des Gewerbeverbandes. Bezirksvorsitzender Jochen Steuber war dabei, als bei einem Treffen im Rathaus ein zwölfköpfiger Vorstand gewählt wurde mit dem Unternehmensberater Wolf-Dieter Waag als Vorsitzendem und Walter Klar vom Telefonladen als Stellvertreter.

Die folgenden 14 Jahre hat Hans Treffer, selbst unter den „Wiederbelebungs“-Mitgliedern und seither durchgängig im erweiterten Vorstand, in seiner Chronik dann minutiös dokumentiert. Mit dem Aufbau einer Webseite und der Gestaltung eines eigenen Logos mit der Schlosswirtschaft als ältestem „Gewerbebetrieb“ in Oberschleißheim begann der Gewerbeverband, Vol. 3.

Erstes Ausrufezeichen der Neuorientierung war die Herausgabe eines Flyers zum „Marktplatz Oberschleißheim“. Weil die Gewerbestruktur des Ortes traditionell darunter leidet, dass es keinen kommerziellen Hauptplatz oder klare Einkaufsmeilen gibt, war der erste Ansatz des neuen Gewerbeverbandes, das örtliche Gewerbe zumindest in einer Darstellung zu vereinen. „Wir wollten auf einen Blick die Fülle an Angeboten zeigen, die das örtliche Gewerbe bietet“, schildert Initiator Treffer. Mittlerweile ist der „Marktplatz Oberschleißheim“ in siebter Auflage erschienen, der Umfang von acht auf 20 Seiten angewachsen. GruppenbildUGA

Bei der Unterschleißheimer Gewerbeschau 2006 taten sich zehn Mitglieder des Gewerbeverbands zu einem Gemeinschaftsstand zusammen und zeigten erstmals Flagge. Im Juni 2007 wagte sich der junge Verband erstmals an eine eigene Veranstaltung: Unter dem Motto „Kunst & Kommerz“ wurde im Biergarten der Schlosswirtschaft ein Rock- und Blueskonzert mit der Gruppe „Black Cadillac“ plus Frühschoppen ausgerichtet, dazu stellte ein Kunstnetzwerk aus.

Neben den stetig wachsenden Beiträgen zum Ortsgeschehen meldete sich der Gewerbeverband auch in der Ortspolitik immer vernehmbarer zu Wort. Ein erster Höhepunkt der öffentlichen Wahrnehmung war erreicht, als der Gewerbeverband vor der Kommunalwahl 2008 die einzige Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten vor gut 900 Besuchern im Bürgerzentrum veranstaltete. „Gewerbepolitik findet auch und besonders im Rathaus statt“, betonte Vorsitzender Waag, „ein Ortsverband muss für seine Mitglieder da der zentrale Ansprechpartner der Politik sein.“

Als bodenständigere Variante der einst ebenso spektakulär aufgestiegenen wie abgestürzten Gewerbeschau inszenierte der Gewerbeverband 2008 erstmals einen „Marktsonntag“. Auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs und in der anschließenden Gewerbestraße boten rund 30 Aussteller buntes Programm, dazu war im Ort verkaufsoffener Sonntag. Trotz regelmäßiger Bedenken aus der Katholischen Kirche verstetigte sich der „Marktsonntag“, bis 2012 fand er fünfmal statt.

Auch im Binnenverhältnis mit den Mitgliedern startete der Gewerbeverband diverse Initiativen. In den Ortsnachrichten oder der Bürgerinformationsbroschüre der Gemeinde wurde Gemeinschaftswerbung koordiniert, es gab Betriebsbesichtigungen, Gelegenheit zur Vorstellung für neue Mitgliedsbetriebe, zentrale Hinweise und Warnungen bei unseriösen Werbeangeboten oder online-Schwindel. 2011 schuf der Verband sein Gütesiegel für Qualität, Service und Kompetenz, mit dem jährlich bis zu drei Betriebe ausgezeichnet werden, die eben unter diesen zentralen Aspekten herausragend arbeiten.

Nach dem Aus des Marktsonntags beteiligte sich der Gewerbeverband unregelmäßig an Aktionen zum Wochenmarkt am Freitag. Ebenso beteiligt ist der Verband regelmäßig beim Bürgerfest oder dem Tag der Vereine, bei Energie- oder Klimaschutzaktionstagen der Gemeinde, beim „Schleißheimer Advent“ des Tourismusvereins oder auch bei den Feierabendmärkten seit 2019. „Das Gewerbe ist ein zentraler Bestandteil der Gemeinde“, betonte Waag, „und das muss mit diesen Aktionen dokumentiert werden.“

Für den 2010 gegründeten Tourismusverein leistete der Gewerbeverband Geburts- und Starthilfe. Unter anderem ging die Ausrichtung des Frühschoppenkonzerts „Rock am Schloss“ im Frühling auf den Tourismusverein über, der daraus unter veränderten Schwerpunkten seinen „Schleißheimer Frühling“ entwickelte.

Die vorerst letzte neue Kapitelüberschrift in der 60jährigen Chronik wurde 2014 hinzugefügt. Damals traten nahezu alle Oberschleißheimer Mitgliedsbetriebe aus dem bayerischen Dachverband aus, so dass es dort keinen Ortsverein Oberschleißheim mehr gibt. In einer Gründungsversammlung am 6. November 2014 in den „Neuen Bürgerstuben“ hoben stattdessen neun Mitglieder den Gewerbeverband Oberschleißheim als eingetragenen Verein aus der Taufe.

Die Strukturveränderung sollte auch gleich eine Verjüngung an der Vereinsspitze mit sich bringen, doch der Schnitt mit dem Aufbau eines neuen Vereins plus völlig neuem Vorstand erwies sich als zu ambitioniert. Gründungsvorsitzender Christian Sturm und Stellvertreter Christian Rustler gaben ihre Ämter 2015 wieder ab; nun wurde Walter Klar zum Vorsitzenden gewählt, Eliette Steinbach zur Stellvertreterin. „Wir haben uns vom Dachverband nicht ausreichend repräsentiert gefühlt“, begründete Klar die Trennung, „insbesondere stand der finanzielle Aufwand in keiner Relation mehr zum Nutzen für den einzelnen Betrieb.“

Über einen Runden Tisch mit Gemeindeverwaltung und Vertretern der Gemeinderatsparteien ist der Gewerbeverband ebenso mit der Kommunapolitik vernetzt wie über einen weiteren Runden Tisch Tourismus, an dem der Verband teilnimmt. 2019 veranstaltete der Gewerbeverband in der Flugwerft des Deutschen Museums zusammen mit den „Freunden von Schleißheim“ die glänzend besuchte Ausstellung „Oberschleißheim im Wandel der Zeit“.

Seit 2018 gibt es in unregelmäßigen Abständen „Unternehmertage“, die mit hochkarätigen Referaten einerseits und einem festlichen Abend mit Buffett andererseits Information und Austausch der Mitgliedsbetriebe in feierlichem Ambiente verknüpfen sollen. Höhepunkt für den nächsten „Unternehmertag“: Die Präsentation der Jubiläumschronik. Vorsitzender Klar ist begeistert über das Werk: „Eine derartige Darstellung ist für den Verein eine Perle!“

Begründet worden war der Gewerbeverband 1960, als es in Oberschleißheim noch mehrere Kohlenhandlungen gab, einen Schneidermeister an der Gartenstraße und ein Textiliengeschäft an der Hofkurat-Diehl-Straße, das auch „Hemdkragen-Erneuerungen“ anbot, einen Uhrmacher und sogar eine „Limonadenfabrikation“ an der Dr.-Hofmeister-Straße.

Der Bayerische Gewerbeverband schickte seinerzeit wohl Initiatoren auf Tour, die das örtliche Gewerbe für die Verbandsorganisation begeistern sollten. „Je mehr wir arbeiten, um so weniger haben wir“, klagte da Verbandsvertreter Arthur Neiß bei einer Gründungsversammlung im „Blauen Karpfen“. Kleingewerbe und Mittelstand würden zwischen „verschiedenen wirtschaftlichen Machtblöcken“ zerrieben, „die auf Kosten des Mittelstandes sich auch noch weitere Vorteile zu holen gedächten“. Explizit attackiert wurde etwa „die Großindustrie“.

Neiß‘ flammender Appell zum „Zusammenschluß“ stieß zunächst nicht auf glühendste Resonanz; „ganze sieben Mann“ zählte die Lokalzeitung bei der Gründungsversammlung. Filmtheaterbesitzer Josef Teufl, Betreiber des damaligen Oberschleißheimer Kinos und mit der Bayernpartei nach acht Jahren gerade aus dem Gemeinderat geschieden, wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Nach dem kämpferischen Auftakt verschwand der Gewerbeverband weitgehend wieder aus dem Ortsgeschehen. Ob der Verband im Stillen oder gar nicht arbeitete, ob er geräuschlos wieder entschlief – über gut 30 Jahre hat Chronist Hans Treffer auch mit Unterstützung von Heimatforscher Otto Bürger keinerlei Dokumente zu Verband und Wirken gefunden.

Die Rückkehr erfolgte dann mit einem Paukenschlag: 1997 organisierte der Gewerbeverband mit Vorsitzendem Siegfried Filthaut, damals Chef eines Autohauses am Bruckmannring, eine Gewerbeschau. Am 25. Juli 1997 wurde die Schau eröffnet, von Freitag Mittag bis Sonntag Abend stellten 34 Betriebe aus Oberschleißheim und Umgebung auf dem Volksfestplatz an der Theodor-Heuss-Straße aus. Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler nannte die erste Gewerbeschau am Ort „einen eindrucksvollen Beweis für die Leistungsfähigkeit der Betriebe in Oberschleißheim“.

1999 lockte die „OGA“ auf einer deutlich vergrößerten Ausstellungsfläche dann 67 Betriebe und Schausteller an. Für 2001 war weiteres Wachstum geplant; auf vier Tage erweitert werden sollte die Gewerbeschau – und wurde dann stattdessen komplett abgesagt. Nur 27 Anmeldungen waren eingegangen, als „rote Linie“ hatte der Gewerbeverband 45 Teilnehmer angesetzt.

2002 solle es aber weitergehen, so das klare Bekenntnis, eine Kooperation mit Unterschleißheims Schau solle versucht werden. Tatsächlich aber blieben die beiden Oberschleißheimer Gewerbeschauen 1997/99 singulär – und auch der Gewerbeverband trat nun für Jahre wieder nicht mehr in Erscheinung – bis zum Neustart vor 15 Jahren.

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