Die Olympische Regattaanlage

ist nun amtlich als Kulturhistorisches Dankmal anerkannt.

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag ist die Regattaanlage Schleißheim zum Denkmal geworden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Sportstätte, die für die Olympischen Spiele von München errichtet worden war, unter der Artikelnummer D-1-84-135-70 in die Denkmalliste des Freistaats eingetragen. Damit steht das gesamte Ensemble inclusive der Bootshallen und der Nebengebäude nun unter Denkmalschutz – wie die Schlösser und die Flugwerft des Deutschen Museums!

Das Olympiastadion mit insbesondere seiner einzigartigen Dachkonstruktion oder der Olympiaturm haben München verändert, die Moderne der Stadt eingeleitet und ihr dauerhaft ein neues Gesicht gegeben. Ein amtlicher Denkmalstatus ist da gar nicht die Frage – diese Anlagen sind Ikonen. „Die Olympia-Regattaanlage in Oberschleißheim aber“, so stand zum 40. Jubiläum des Sportereignisses in einem Beitrag in der Schriftenreihe des Landesdenkmalamts, „würde kaum jemand spontan zu jenen Errungenschaften der Spiele zählen, die München bis heute etwas Einzigartiges verleihen.“

Gerade diese Reduktion aber macht den Reiz der Schleißheimer Anlage aus. Die beim Architektenwettbewerb erfolgreichen Planer hätten „ihre Aufgabe so verstanden, dass keine monumentalen Bauten geschaffen werden sollten, wie sie auf dem Oberwiesenfeld entstanden, sondern dass die Anlage mit der weiträumigen Moorlandschaft des Dachauer Mooses architektonisch und landschaftlich in Einklang stehen sollte“, heißt es in der Denkmalschutzanalyse von 2012. regatta

Und das ist der Architekten- und Ingenieurgemeinschaft Eberl und Partner aus München mit Michael Eberl, Helmut Weippert, Erich Heym und Otto Leitner sowie dem Landschaftsarchitekten Georg Penker aus Neuß offenbar mustergültig und nachhaltig gelungen. Schon 1973 wurde Eberl für das Projekt mit dem Großen Preis des Bundes Deutscher Architekten geehrt. Einen weiteren Preis gewannen die Planer und der Künstler Hans Kastler aus Happerg am Starnberger See für die Skulptur am Südwestende des Tribünenbaus, die 1975 den Goslarer Preis „Kunst und Architektur“ für die beispielhafte Verbindung dieser beiden Disziplinen erhielt.

Die Aufnahme in die bayerische Denkmalliste trägt nun einerseits dem historischen Wert Rechnung, dass die Anlage eben Teil der so bedeutungsvollen Münchner Spiele war; „diese Spiele – 36 Jahre nach den ideologisch überschatteten Spielen von Berlin – waren ein unübersehbares Signal an die Welt, dass Deutschland seinen Platz in der Weltgemeinschaft wieder gefunden hatte“, heißt es in der Begründung des Bayerischen Denkmalamts zur Schutzstellung. Aber wesentlich gewichtet wurde bei der Entscheidung auch die ganz eigene künstlerische Sprache, mit der sich die Schleißheimer Regattastrecke in diesem Gesamtkunstwerk positioniert hat.

In die Umgebung modelliert

„Die künstlerische Bedeutung erklärt sich vor allem aus der Einbindung der Anlage in die Landschaft“, erläutert das Landesamt für Denkmalpflege: „Sie ist mit sanften Hügeln gewissermaßen in die Umgebung modelliert; das Ruderbecken erinnert mit seinem geraden Verlauf an die Anlage des Schleißheimer Kanalsystems; der kurvig geführte Bach, der See und die zu Gruppen gefassten Bäume hingegen an die ursprüngliche Landschaft des Dachauer Mooses. Die im Wesentlichen auf Holz und Beton beschränkten Baumaterialien sollen die Einbindung in die gestaltete Landschaft unterstreichen. Diese Einheit von Architektur und Landschaft findet sich auch in der Gestaltung des Olympiaparks, die Ruderanlage steht mit ihm dadurch nicht nur inhaltlich, sondern auch künstlerisch und gestalterisch in Verbindung.“

Eberl und Penker haben das Kunststück vollbracht, ein über zwei Kilometer langes und knapp 150 Meter breites rechtwinkliges Wasserbecken mit gut einer Million Kubikmeter Volumen so in die Landschaft zu integrieren, dass in einer landesweiten Petition zum Erhalt der Anlage 2016 geschwärmt werden konnte: „Münchener und Besucher aus dem Umland schätzen das einzigartige Flair, das die Anlage mit den Ruderern und Kanuten auf der Strecke inmitten der wunderbaren Landschaft vermittelt.“

Die Bauarbeiten waren im September 1969 begonnen worden und waren zu den ersten Testrennen 1971 weitgehend abgeschlossen. 2,8 Millionen Kubikmeter Erde sollen bewegt worden sein. Der Regattatrog ist 2230 Meter lang, 140 Meter breit und 3,5 Meter tief, der Start liegt auf Feldmochinger Gemarkung, das Ziel auf Oberschleißheimer Gemeindeflur. Bis auf die Stehtribüne, die mit dem Zeitnahmeturm 2007 abgebrochen wurde, haben sich alle Bauten erhalten. Im ursprünglichen Vollausbau bot die Tribüne 9000 Sitz- und 16.000 Stehplätze, auf den Parkplätzen finden 2400 Autos Platz. An Baukosten wurden 65 Millionen D-Mark ausgewiesen.

Am 27. August 1972 begannen mit den Vorläufen der Ruderer die olympischen Wettkämpfe mit sieben Entscheidungen bis zum 2. September. Vom 6. bis 9. September trugen die Kanuten Wettkämpfe in ebenfalls sieben Kategorien aus. Seit dem Ende der Spiele ist die in Summe 85 Hektar große Anlage im Besitz der Stadt München, die sie über ihre Olympiapark GmbH verwalten lässt. Ausgerichtet wurden hier zahllose Deutsche und Internationale Meisterschaften, Weltcuprennen und Weltmeisterschaften. Im Leistungszentrum für Rudern und Kanu trainieren diverse Vereine und die Münchner Hochschulen regelmäßig.

Konzept für die Zukunft

Die Würdigung als Denkmal fällt für die Regattaanlage in eine Phase der Neuorientierung. Seit Jahren brütet das Münchner Rathaus über die zukünftige Ausrichtung der Sportstätte. Ein Grundsatzbeschluss von 2015, die Anlage im Grundsatz zu erhalten, wurde durch die Verleihung des Denkmalcharakters nun ohnehin obsolet. Wie konkret es weitergehen soll mit der Anlage, wie viel Geld für welche Art von Nutzung investiert wird, darüber soll nach mehreren Verschiebungen heuer nun endgültig entschieden werden.

„Die Planungen zur künftigen Gestaltung und Nutzung der Regattaanlage laufen ungeachtet der Aufnahme der Anlage in die bayerische Denkmalliste weiter“, hatte sich das Bildungs- und Sportreferat der Landeshauptstadt nach der Veröffentlichung ungerührt über den neuen Status gezeigt. Die Nutzer reagierten euphorischer. „Für uns war es schon immer offensichtlich, dass ‚unsere‘ Regattaanlage genau wie der Olympiapark selbst schützenswert ist“, freute sich Oliver Bettzieche, der Vorsitzende des Vereins „Regatta München“. Man sei überzeugt, „dass die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt eine optimale und kosteneffiziente Lösung finden werden, die die künftige Nutzung als Regattaanlage ebenso sicherstellen wird wie einen angemessenen Umgang mit dem geschützten architektonischen Erbe.“

Der Verein, der seit 2013 ehrenamtlich die Großveranstaltungen auf der Anlage organisiert und begleitet, will nun mit der historischen Wertschätzung der Anlage im Rücken „Münchens Anspruch als international anerkannter Regattastandort erneuern“, wie es in einer Vorschau heißt. Beim Weltruderverband wurden Bewerbungen für vier Großereignisse eingereicht: die „European Rowing Junior Championships“ 2021, die „World Rowing Masters“-Regatta 2022 sowie für jeweils eine Regatta der „World Rowing Cup“-Serie 2023 und 2024. Regatta2

„Auf die Anlage gehören einfach regelmäßig hochkarätig besetzte, internationale Elitesportveranstaltungen“, sagt Bettzieche, „mit unseren Bewerbungen setzen wir ein Zeichen, wie ernst es uns mit dem Regattabetrieb auf der Olympia-Regattastrecke ist.“ Die Chancen stehen gut: Sportlich gilt die Schleißheimer Strecke seit jeher als eine der idealsten Ruderstrecken weltweit.

Rund um den olympischen Kern der Anlage hat sich längst auch ein buntes Freizeitgeschehen entwickelt. Der Beckenrand wird von Radfahrern und Inlineskatern genutzt. Am Südostende des Geländes siedelte sich eine Tennisanlage mit Freiplätzen und Hallen an. Und den besonderen Freizeitwert liefert seit sechs Jahren das „Munich Beach Resort“.

Auf 3500 Quadratmetern wurde am westlichen Ende des Tribünenbauwerks mit über 2000 Tonnen Sand aus der Oberpfalz Beachfeeling gezaubert. Auf sechs multifunktionalen Beachcourts kann Beachvolleyball, -soccer, -tennis oder -handball gespielt werden, dazu sind Bars und Kioske vom 1. Mai bis, je nach Witterung, September oder Oktober in Betrieb. Das Eventareal steht für privaten Spaß genauso zur Verfügung wie für Sommerfeste oder auch Firmen-Aktivitäten bis hin zum Teambuilding. Seit drei Jahren finden im „Munich Beach Resort“ auch hochklassige Wettkämpfe im Beachsoccer statt. Heuer richtet die Anlage erstmals in der Geschichte der Beachsoccer-Bundesliga des DFB zwei Spieltage in einer Saison aus, den zweiten am 22./23. Juni. „Das ist eine Weiterentwicklung, die der Anlage neues Leben einhaucht und dem olympischen Flair gerecht wird“, findet „Resort“-Geschäftsführer Dirk Henrichs.

Das „Munich Beach Resort“ möchte auch die bisherigen Tennishallen übernehmen, um dort indoor Beachvolleyball- und Beachsoccerplätze anzulegen, eine Minigolfanlage, eine Trampolinanlage, eine Spieleparadies für Kinder und für den Winter eine Eisstockbahn. Auch diese Pläne hängen derzeit aber an der Entscheidung für die zukünftige Ausrichtung der gesamten Anlage – des gesamten Denkmals.

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