Zuletzt aktualisiert: 09 Oktober 2018
Erstellt: 08 März 2018

Die Geschenktüten von Steinberger Friedelinde: vor 46 Jahren fing alles an… 

Mein Sohn kam von einer Geburtstagsfeier weinend heim. Durch gezieltes Fragen nach liebevollem Trösten fand ich endlich heraus was die Ursache des großen Kummers war. Das Geschenk, das er mitnahm, war kunstvoll verschnürt, so dass es lange dauert bis es ausgepackt ist - dachte ich. So hielten wir es immer in unserer Familie. Dieses Auspackritual fanden wir spannend bis das Geschenk zum Vorschein kam. Das Geburtstagskind meines Sohnes hatte aber „null“ Ahnung von unserer Gepflogenheit. Sein  Steinbergei 1Mitschüler, der Karli, setzte den Zeigefinger an und es machte Ratsch. Das Papier war in einer Sekunde weg. Das tat meinem Sohn sehr leid, dass er die kunstvolle Verpackung nicht würdigte. Wir hatten lange daran gearbeitet bis das Päckchen schön war, und nun musste er mitansehen wie alles zerstört wurde. Wir beide fanden es als Frevel, sowas zu tun. Auch ich war enttäuscht. Wir schliefen eine Nacht darüber, das beruhigte uns. 

Ich versprach meinem Sohn mir was auszudenken. Hatte auch bald eine Idee… 

Die Illustrierten, die wir hatten, waren eine Fundgrube. Bis jetzt wurden die schönen Bilder nur angeschaut, doch nun bekamen sie eine neue Aufgabe. Der Recycling-Gedanke war geboren. 

Drei-vier Seiten reichten je nach Geschenkgröße aus um ein „schönes“ Päckchen herzustellen. Die Bildbögen wurden verklebt ohne kunstvolle Schleife… Fertig! 

Je mehr ich mich mit dieser Sache beschäftigte, umso mehr Ideen wurden geboren. 

Ein neues Vorhaben begann: Geschenkpapier selber herzustellen. Die Illustriertenseiten klebte ich zusammen, die Rückseite mit farblich passendem Seidenpapier abgedeckt. Das Ergebnis funktionierte einige Zeit recht gut. Doch ich war nicht so recht zufrieden. Es musste was NEUES her. 

Ausgediente Brezentüten wurden mein Objekt. Sie wurden beklebt mit ausgesuchten Zeitungsseiten. Diese taten ein paar Mal ihre Dienste. Da diese nicht immer vorrätig waren, bat ich beim nächsten Einkauf, mir einige leere Tüten zu überlassen. Die Verkäuferin verweigerte mir den Wunsch, musste ohne Ergebnis aber mit viel Frust heim. Doch der dauerte  nicht lang. 

ASteinberteieruf dem Heimweg hatte ich schon eine neue Idee parat. Die zerknüllte, leicht zerrissene Brezentüte lag vor mir. Ich strich sie glatt, bügelte sie  und zerlegte sie sorgfältig an den geklebten Stellen. Jetzt hatte ich ein Muster wie es geht um selber eine Tüte zu bauen. Es war spannend, wie ich vorgehen musste. Die erste Tüte war zunächst recht klapprig, weil das  Papier der Illustrierten zu dünn war. Das gefiel mir nicht. So probierte ich das Papier doppelt zu nehmen. Es war schon besser. Leider schoppte es sich beim Kneifen. Endergebnis: alles noch mal machen und zwar sorgfältiger. Die ersten Tüten waren  schon zu gebrauchen, aber innen sahen sie irgendwie unvollendet und es störte mein Schönheitsgefühl. Ich suchte mir Themagleiche Seiten, die zum Äußeren passten und futterte sie. Das gelang mir nach ein paar Versuchen recht gut. Jetzt waren noch zwei Flächen frei. Der innere und äußere Boden bekamen noch extra Verschönerungen, indem ich besondere Bilder auswählte. Dafür bekam ich nochmal doppeltes Lob. 

Seit dieser Zeit schaue ich Illustrierte und Zeitungen mit anderen Augen an: Lese- und Bilderaugen. 

Inzwischen verwende ich auch ausgediente Kalender, schöne Prospekte und für interessierte Freunde oder Kunden nehme ich selbstbedruckte Papiere in Linoldruck und auch Aquarelle, die besonders wirken. Was mir von Anfang an ganz wichtig war, dass es was Wiederverwendbares ist. 

Recycling ist für mich eine Lebensaufgabe geworden. Es steht mittlerweile auf all meinen Produkten. Das sind Tüten jeder Größe und Form, Origami-Sterne-Kugel-Ostereier und noch viele andere Bastelsachen aus Bändern und Stoff.

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